Infertilität
Infertilität oder unfreiwillige Kinderlosigkeit wird durch die Unfähigkeit des Mannes und/oder der Frau bedingt, durch regelmäßigen Geschlechtsverkehr schwanger zu werden.
Wissenschaftlich ausgedrückt spricht man von Infertilität, wenn ein zusammenlebendes Paar mindestens ein Jahr lang aktiv aber erfolglos versucht hat, schwanger zu werden. Man sollte nicht den Mut verlieren, wenn man nach einem Jahr ungeduldig wird und Hilfe zur Lösung der Infertilität sucht. Eine Beratung oder etwas Hilfe kann den Prozess voranbringen.
Wissenswertes über Infertilität
Um Infertilität zu verstehen, nimmt man am besten die Fertilität als Ausgangspunkt – also die Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Ein Mädchen wird mit ca. 400.000 unreifen Eiern, sog. Oocyten, geboren. Diese werden in den Eierstöcken aufbewahrt und das erste Ei reift heran, wenn das Mädchen ca. 13 Jahre alt ist.
Das fertile Alter erstreckt sich meistens, bis man 45 – 50 Jahre alt ist. Eine Frau kann schwanger werden, bis der Eisprung oder die Menstruation aufhört. Ein feines Gleichgewicht im Hormonsystem der Frau steuert den Zeitpunkt des Eisprungs. Das Hormonsystem steuert ebenfalls die Zeiten, in denen es keinen Eisprung gibt, z. B. während der Schwangerschaft. Wenn die Frau ungefähr 35 Jahre alt ist, gibt es einen Knick in der Schwangerschaftskurve und es dauert länger, bis die Frau schwanger werden kann. Statistisch bedeutet das, dass eine Frau unter 35 Jahren typisch 3 -4 Versuche mit Fertilitätsbehandlung benötigt, um schwanger zu werden. Ist die Frau über 35 Jahre, so muss mit 6 -8 Versuchen gerechnet werden. Bei Männern ist das fertile Alter länger als bei Frauen, da die Hoden fast ein ganzes Männerleben lang neue Samenzellen bilden können. Das Lager der Samenzellen erneuert sich ca. jeden 3. Monat.
Die Befruchtung kann innerhalb eines Monats nur in einem relativ kurzen Zeitraum erfolgen, faktisch sind das nur einige Stunden. Daher liegt die Chance zur Befruchtung bei nur 25 % monatlich. Bei IVF-Behandlung liegen die Chancen höher, da die Entwicklung des Eis genau verfolgt wird und zur Befruchtung genau dann aus den Eierstöcken entnommen wird, wenn es die passende Größe und den richtigen Reifegrad erreicht hat.
Infertilität entsteht, wenn ein Ungleichgewicht bei der Bildung von Ei- bzw. Samenzellen besteht oder wenn physische Ursachen verhindern, dass Ei und Samenzelle sich treffen können. Infertilität ist leider ein recht weitverbreitetes Leiden, denn ca. 15 % aller Paare im geburtsfähigen Alter nehmen Hilfe bei Infertilität an (WHO).
Bevor man von Infertilität sprechen kann, muss ein Paar in den Zwanzigern mindestens ein Jahr versucht haben, schwanger zu werden. Die Wartezeit kann einem sehr lang vorkommen, wenn der Kinderwunsch sich eingestellt hat.
Bei der Frau ist die häufigste Ursache für Infertilität der fehlende Eisprung. Der hormonelle Zyklus der Frau ist so komplex, dass Störungen, die den Eisprung verhindern, nicht ungewöhnlich sind. Dieser Form der Infertilität kann in vielen Fällen mit einer milden Hormonbehandlung nachgeholfen werden. Aber Infertilität muss man auch im Zusammenhang mit dem Alter der Frau sehen.
Studien zeigen, dass ca. ein Drittel aller Frauen über 35 Jahre nicht in der Lage waren, innerhalb eines Jahres schwanger zu werden. Viele Frauen warten mit dem Wunschkind bis zum Ende der Ausbildung und dem Start einer Karriere. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Chancen für eine Schwangerschaft ab dem 35. Lebensjahr radikal abnehmen. Wissenschaftlich gesehen ist das 35. Lebensjahr der Frau ein Scheitelpunkt, von da ab vermindern sich die Schwangerschaftschancen. Die häufigste Ursache für eine Infertilität bei der Frau ist PCOD, das Polyzystische Ovarialsyndrom, auch Stein-Leventhal-Syndrom genannt. Das ist ein Zustand, bei dem die Eierstöcke vergrößert und mit kleinen Zysten bedeckt sind. Diese sind zwar harmlos, verhindern aber den Eisprung und damit kann die Frau nicht mehr empfangen. Bei einer Ultraschalluntersuchung kann man PCOD erkennen, und die Frau kann normalerweise durch eine IVF-Behandlung schwanger werden.
Endometriose kann ebenfalls den Eisprung verhindern oder Ursache dafür sein, dass das befruchtete Ei sich nicht in der Gebärmutter festsetzen kann. Infektionen oder Entzündungszustände im Unterleib, z. B. eine Infektion mit Chlamydien, können zu Verwachsungen im Eileiter führen und dann können Ei und Samenzelle sich nicht treffen. Für Frauen, die eine Entzündung im Unterleib hatten, ist daher eine HSG (Hysterosalpingographie) empfehlenswert, bevor die Fertilitätsbehandlung beginnt. Eine HSG zeigt, ob die Eileiter durchgängig sind.
Infertilität bei Männern
Beim Mann ist die häufigste Ursache für Infertilität die fehlende Eigenschaft, ausreichend gesunde Samenzellen zu bilden, um eine Schwangerschaft auszulösen. Auch wenn nur eine Samenzelle für die Befruchtung ausreichend ist, so müssen dennoch Millionen von Samenzellen rund um das Ei vorhanden sein, da Enzyme der Samenzellen die Schutzschicht durchbrechen müssen, die das Ei umgibt, damit die eine Samenzelle in das Ei eindringen kann. Das Samen bildende Gewebe in den Hoden ist sehr empfindlich und eine Hodeninfektion kann das Gewebe völlig zerstören.
Andere Ursachen für die Infertilität beim Mann können genetische Defekte sein, physische Schäden an den Hoden oder Hodenhochstand. Auch wenn dieser Zustand chirurgisch korrigiert werden kann, so sind die Chancen gering, dadurch die Infertilität zu verhindern.
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